63. Mramoraker Kirchweihtreffen in Sindelfingen – Haus der Donauschwaben – Samstag, 19. September 2015 – ab 10.30 Uhr

 

 

Klavierspiel: Peter Straub

(evtl. bringt er eine Singgruppe mit!)

 

Grußwort:

 Herzlich willkommen  zu unserem 63. Mramoraker Kirchweihtreffen. – Schön, daß wir uns wieder sehen und miteinander freuen dürfen.

Freude macht es, unseren Freund Peter Straub wieder am Klavier zu haben. Er wird unseren Gesang begleiten.

 

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des dreieinigen Gottes: des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Psalmlesung:  31 – Nr. 205

 „Herr, auf dich traue ich“

 

Eingangsgebet:

Herr, unser Gott!

Wir sind zusammengekommen, um Gottesdienst zu halten – wir, Heimatvertriebene aus dem ehemaligen Jugoslawien. - Herr, wir denken an die alten Zeiten! – Unser Herz wird darüber schwer und es kommen uns die Tränen, wenn wir an all den Verlust und das Leid zurückdenken.  - Doch Du hast uns durchgetragen und uns gnädig einen neuen Anfang in der Heimat unserer Ahnen geschenkt.

Heute denken wir zurück: 70 Jahre ist es her, daß viele von uns die alte Heimat verlassen mußten.

70 Jahre ist es her, daß der schreckliche 2.Weltkrieg sein Ende fand – aber für uns das Leid sso richtig begann.  - Und immer noch ist unsere Welt zerrissen. Menschen verstehen sich nicht. -  Komm, Heiliger Geist! Öffne uns das Ohr für die Worte unserer Mitmenschen – aber vor allem für Dein Wort.

Laß uns die Worte unseres Heilandes, Jesus Christus, hören und lehre uns zu verstehen und ihm nachzufolgen.

Komm, Heiliger Geist, und erfülle unsere Herzen.

Amen

 

    LIEDBEITRAG

    Oder: Nr. 89, 1.2.5

  „Großer Gott, wir loben dich“


PREDIGT

Liebe Mramoraker Landsleute, liebe Gäste, liebe Gemeinde!

 

(1)

„Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein anderer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine.“

(EG 421)

 

Dieser Liedvers – eine gesungene Friedensbitte – geht auf die Reformationszeit zurück. Martin Luther hat eine lateinische Vorlage benützt: „Da pacem, Domine“ – aus dem 9. Jahrhundert.

Sein Freund Buggenhagen hat das Lied als Schlußlied in der Liturgie des Gottesdienstes eingesetzt.

 

Zur Zeit Luther war es die Türkengefahr, die Krieg und Verderben über Europa brachte; später den war es der 30-jährige Krieg – und immer wieder andere Kriege, bis zuletzt der 1. und der 2. Weltkrieg.

 

Mit dem Liedvers bitte die Gemeinde Gott um Frieden – und das nun nicht nur um den „Seelenfrieden“, sondern ganz konkret „in unseren Zeiten“.

Dabei wird das Bekenntnis ausgesprochen, daß es niemand anderes gibt – keine Menschen und keine Götter! – die für die Frommen, sprich Gott gehörigen Menschen, streiten könnten.

„Daß es Frieden wird, das liegt an mir!“ – heißt es so schön in einem Lied. Aber das stimmt nur zum Teil. Frieden ist ein Geschenk Gottes!

 

Deshalb singen wir auch nicht „es ist ja doch kein anderer nicht“ – das klingt wie eine Resignation;   sondern wir singen bewußt „es ist doch ja kein anderer nicht“ - getragen von der Einsicht und Gewißheit, daß da keine andere Macht Frieden schaffen kann als der allmächtige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde und unser Schöpfer.

 

Liebe Mramoraker,

damit habe ich das Thema angeschnitten, daß uns und die ganze Welt dieses Jahr bewegt: 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges.

 

Ich weiß nicht, ob Sie sich zurück erinnern können – aber ich denke, daß an dem Tag, als klar war, der Krieg ist zu Ende, die Glocken in Deutschland geläutet haben. – Und wie tief mögen die Menschen damals das Glockenläuten empfunden haben!

Wir, die Donauschwaben im Banat, hatte keine Glocken mehr! – Es wurde uns in unserem Mramoraker Ghetto sogar verboten, in die Kirche zu gehen, obwohl sie nur einen Steinwurf weit von uns entfernt war.

 

Uns brachte die Kapitulation keinen Frieden!

 

Es wurde in der Nachkriegszeit (bis heute) viel auf das Leid der Juden, Sinti und Roma und Kommunisten hingewiesen. Lange war unser Leid, das der Heimatvertriebenen, kein Thema.

Doch heute ist es anders geworden:  wär hätte das noch vor 30 oder 40 Jahren gedacht, daß  auch auf das Leid der deutschen Bevölkerung, die ihre Heimat verlassen mußten, hingewiesen wird?!

 

(2)

Ich zitiere  die Aussage  einer donauschwäbischen Frau – im Blick auf 70 Jahre nach Ende des 2.Weltkrieges:

 

Magdalena Abel  aus Gajdobra hat es so ausgedrückt:

 

„wir dagegen mussten unbeachtet von der Weltöffentlichkeit in Todeslagern dahinsiechen!
Der beispiellose Völkermord an uns Donauschwaben ist deshalb so schlimm und unbegreiflich, weil er nach Kriegsende und Jahre danach begangen wurde.“

Es hat in Deutschland lange gedauert, bis man sich auch dem LEID DER VERTRIEBENEN UND UMGEKOMMENEN gedachte und es so einstufte, was es ist: ein Kriegsverbrechen!

 

Mein Großvater und viele andere Männer aus der Ortschaft MRAMORAK wurde Ende 1944 nach Jarek verschleppt. Ich weiß heute nicht, ob er in Jarek oder in Mitrowitza ums Leben kam. –  Zeugen berichten, man hätte ihn (wie einen Hund) zu Tode geprügelt.

Ich selber (Jahrgang 1942) war, als er aus unserer Ortschaft gefangen weggeführt wurde, gerade mal drei Jahre alt.

Ich weiß nur, daß sein besonderer Stolz der große Obst- und Gemüsegarten hinter unserem kleinen Haus war – und natürlich seinen beiden Enkelkindern: meine Schwester und ich.

 

Das ist Jarek und Mitrowitza – und wohl das größte Vernichtungslager – Rudolfsgnad. Sie sind Synonyma für das große Leid der Donauschwaben.

 

Und bei all dem dürfen wir nicht unsere Männer vergessen, die nun um ihr Leben bangten, in Kriegsgefangenenlager schmachteten – und die Frauen, die Nach Rußland verschleppt wurden, um dort als Sklaven zu arbeiten.

 

 (3)

 

Liebe Landsleute,

Die Jahre nach Beendigung des 2.Weltkrieges  erlebten Tausende von Donauschwaben in Jugoslawien als der Beginn einer unsäglichen Leidenszeit.

 

Mehr als zwölf Millionen Menschen teilen dieses Schicksal am Ende des Zweiten Weltkriegs. Über ihre leidvolle Flucht und Vertreibung, über den Verlust der Heimat, auch über die Vorgeschichte dieser größten ethnischen Säuberung in der europäischen Geschichte gibt es mittlerweile zahlreiche Dokumentationen.
Aber was erwartete die Flüchtlinge und Vertriebenen danach, als sie angekommen waren und in der noch fremden, der neuen Heimat bleiben mussten? Wie schwer war es für sie, dort von vorne anzufangen? Was bedeutete es für diese Menschen, nicht nur mittellos, sondern auch all ihrer sozialen Bezüge und ihrer vertrauten Umgebung beraubt zu sein? Und wie wurden sie von den Einheimischen aufgenommen?

 

BR.-Rundfunk: Fremde Heimat - Das Schicksal der Vertriebenen nach 1945

 

"Wir haben nichts mehr, wir sind nichts mehr, wir sind also am tiefsten Punkt der sozialen Leiter gelandet."

 

(4)

 

70 Jahre ist ja eine besondere Zahl – zumindest für diejenigen unter uns, die in der Bibel zuhause sind.

70 Jahre lang war das Volk Israel von seinem Land getrennt – zunächst in Assyrien und dann in Babylon.

 

70 Jahre, bis (so das Wort Gottes) die „Zeit erfüllt war“) und das Volk zurückgeführt wurde.

(5)

ABER – und das ist das große „Aber“ derer, die überlebt haben – das große ABER der Donauschwaben allgemein: Aber wir wollen, so wie es in der Charta der Heimatvertriebenen heißt:

Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung. Dieser Entschluß ist uns ernst und heilig im Gedenken an das unendliche Leid, welches im Besonderen das letzte Jahrzehnt über die Menschheit gebracht hat."

Dieses Gelöbnis wurde am 5.August 1950 von tausenden von Flüchtlingen vor der Ruine des Neuen Schlosses in Stuttgart abgelegt.

 

(6)

Die Geschichte der DONAUSCHWABEN - und speziell die Geschichte unseres Heimatortschaften - ist festgehalten, nicht im Blick auf Rache oder Vergeltung (Revanchismus), sondern um das Gedächtnis des damals weltweiten einzigartigen Experiments koexistenten Zusammenlebens verschiedener Kulturen, verschiedener Sprachen und Kirchen und Glaubens wachzuhalten.

 

Gerade in einem Zusammenwachsen von EUROPA, erscheinen mir die Vorgänge damals wichtig zu sein. Wir könnten daraus lernen, was geht und was nicht geht, wo es Ansätze zur Hoffnung gibt und Ausrufezeichen der Warnung.

 

Gerade heute, wo weltweit Tausende und Abertausende Menschen auf der Flucht sind – und wo die Völker Europas in besonderer Weise vor riesigen Problemen stehen! – könnten wir aus der Leidensgeschichte der Donauschwaben lernen.

 

(7)

Ich möchte, liebe Landsleute, nochmals das Friedenslied lesen:

 

„Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein anderer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine.“

 

Worauf nun aber gründet sich dieses Vertrauen in den lebendigen Gott, das hier zu Wort kommt?

 

Die Antwort lautet: im EVANGELIUM – in dieser guten und frohen Botschaft von Jesus, dem Heiland.

Ihn hat Gott in diese Welt gesandt, um die Welt mit sich zu versöhnen – um Frieden zu machen zwischen sich und seiner Menschheit und zwischen den Menschen untereinander.

 

Wo diese Botschaft gehört und geglaubt wird, ist Frieden möglich; wo diese Botschaft abgelehnt und verachtet wird, wird es keinen Frieden geben.

 

In unsere Taufe wurde uns bereits dieses Evangelium auf den Kopf zugesagt – und in unserer Konfirmationszeit wurde uns dieses Evangelium ausgelegt – und in jedem Sonntagsgottesdienst wird uns diese Frohe Botschaft verkündigt: Gott hat dich, Mensch, so lieb, daß er seinen eingeborenen Sohn in diese Welt sandte, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Abschluß:     Der Friede Christi

Jesus Christus spricht:  Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.  (Johannes 14,27)

Das laßt unsere Hoffnung sein inmitten dieser Welt – diesen Frieden annehmen und ihn weitergeben – im Namen Jesu.

 

Amen

 

   LIEDBEITRAG 

   Oder:  Lied Nr. 89, 9.11 

          „Sieh dein Volk in Gnaden an“

 

 

Fürbittegebet:

 

Allmächtiger und barmherziger Gott,

wir nehmen unsere Zuflucht zu Dir, dem Lenker auch der Geschichte der Menschheit und unserer kleinen Lebensgeschichte.

In all unseren Fragen sollst Du alleine unsere Antwort sein: Gott hat es gegeben, Gott hat es genommen, der Name des Herrn sei gelobt!

Wir sind als Menschen hier beieinander, die Dein Wirken erlebt haben: in guten Tagen und in bösen Tagen. Da wurden wir schuldig und andere wurden an uns schuldig; da haben wir geweint und gelacht, wir haben gebetet – und vielleicht auch viele böse Worte in unserem Mund gehabt.

Da war Entsetzen über das, was uns wiederfahren ist – und es war Erstaunen über deine Hilfe.

All das, lieber Gott, nehmen wir hinein in unser Gebet und bitten Dich in dieser Zeit des Unfriedens ganz besonders um Deinen guten, heiligen Geist – den Geist, den uns unser Herr und Heiland Jesus Christus verheißen hat.

Wie ein Blatt im Wind werden wir immer wieder neu von unseren Wünschen und Sorgen bewegt und wie ein offenes Gefäß füllt sich unser Herz mit dem, was die Tage uns bringen.

 

Laß uns aber nicht wie im Winde treiben sondern von „Deinem Wind – dem heiligen Geist“ geführt und geleitet werden.

Laß uns immer wieder neu sehen, was Du für uns getan hast und im Namen Jesu Dir vertrauen, daß Du uns auch weiterhin führen und leiten willst.

 

Herr, auch als Donauschwaben, die auf eine leidvolle Geschichte ihres Lebens zurückblicken müssen, laß uns vorwärts blicken auf  Dein Kommen –  dann wird Frieden sein.

 

Dir befehlen wir alle unsere Landsleute – gerade auch unsere Alten und Kranken und Schwachen. – Herr, laß sie am Ende ihres Lebens Frieden finden – wie auch uns.

 

So wollen wir bewußt alles, was uns bewegt, hineinlegen in das Gebet, daß dein Sohn uns gelehrt hat:

 

VATERUNSER

 

Lied singen:     Nr. 94 „Dona, nobis pacem“

Oder. Nr: 59 – „Fürchte dich nicht, denn du bist mein.“

 

SEGEN

 

Ausgang in den Lichthof

 

CHORGESANG (Leitung Herr Peter Straub)



Ansprache des Vorsitzenden: Herr Peter Zimmermann (Totengedenken)



Gebet - Pfarrer Jakob Stehle :

Verleihe uns Frieden gnädiglich! – Herr, so haben wir gebetet – so hoffen wir auf dich – angesichts der vielen Kreuz mit den Namen unserer donauschwäbischen Ortschaften – Namen auch, hinter denen sich viel Leid verbirgt.

Verleih uns Frieden gnädiglich! – Herr, so beten wir auch heute, den Du bist unser Friede in Christus Jesus, deinem Sohn.

Allmächtiger Gott, du lenkst die Herzen der Menschen. Öffne ihnen allen, die Macht und Verantwortung haben, die Augen für den Frieden. Mach sie und uns bereit, Frieden und Versöhnung zu stiften.

Tröste alle, die sich schwer mit ihrer Vergangenheit tun. Trockne denen die Tränen, die einen lieben Menschen verloren haben. Stärke ihre Hände und Füße, daß sie ihren Weg gehen können.

Das bitten wir durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen