PREDIGT zum 61. Mramoraker Treffen – 21. 9. 2013 - Sindelfingen
Bitte beachten Sie, daß dies das Manuskript ist; gehalten wurde es ziemlich frei!
"Wir
haben hier keine bleibende Stadt,
sondern die zukünftige
suchen wir."
(
Hebräer
13,14 )
Liebe Landsleute aus Mramorak und Ploschitz, Liebe Gäste!
(1)
Am Anfang des Jahres haben wohl viele gedacht: Welch ein ernstes Wort für das ganze Jahr! – Ja, die Erinnerung daran, daß die irdische Heimat uns nicht bleiben wird, kann uns traurig stimmen, ja sogar die Freude am Leben rauben.
Hätten
wir uns vielleicht zum Jahresanfang ein anderes Wort gewünscht?
Zum Beispiel eines der großen Verheißungsworte im Alten
oder im Neuen Testament? - Wie wäre es gewesen mit dem
Christuswort: "Ich bin bei euch alle Tage!"?
Nun
aber wurde dieses kurze "Mahn-Wort"
aus dem Hebräerbrief
ausgesucht,
eine Schrift im Neuen Testament ziemlich am Ende - und vielen
wahrscheinlich unbekannt. Die Überschrift über dem
13.Kapitel lautet "Letzte
Ermahnungen".
Und der Vers davor - ebenfalls ein mahnender Aufruf, lautet:
"So laßt uns nun zu ihm (eben Jesus) hinausgehen aus dem
Lager und seine Schmach tragen." - Also auch weniger ein
"Trostwort", als vielmehr der Aufruf
zur Jesusnachfolge.
Und
blicken wir auf den Vers, der unserem Jahreslosungswort folgt (Vers
15), so lesen wir: So laßt uns nun durch ihn (Jesus) Gott
allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die
seinen Namen bekennen."
(2)
Ja,
liebe Freunde, dieses Jahr 2013 hat also mit dem Motto der Lebens-
und Leidensgemeinschaft mit Jesus begonnen. Nun sind wir im September
– 8 ½ Monate – sind bereits von diesem neuen Jahre
(auch unserem Lebensjahr!) vergangen.
Der Hinweis, daß wir "keine bleibende Stadt" hier haben, stellt uns hinein in eine "Laufbahn", ja sozusagen in eine „Ablaufzeit“ die ein klares Ende, aber – für Christen - auch ein ganz klares Ziel hat: Die Gemeinschaft mit Christus - hier und jetzt - aber auch in der Ewigkeit.
Keine bleibende Stadt. – Das Bild von der „Stadt“ können wir aber auch übersetzen mit „Heimat“.
Im Frühjahr dieses Jahres sah ich eine Sendung im Fernsehen. Das Thema war „Heimat“. Interessant, wie verschieden Menschen das Wort HEIMAT erklären:
So sagte ein Mann, daß für ihn Heimat gleichbedeutend sei mit der Gründung einer Familie.
Ein anderer meinte, Heimat ist für mich der Ort, wo ich geboren und aufgewachsen bin – wo die Gräber meiner Verstorbenen sind – die Taufkirche.
Eine junge Frau meinte: Heimat ist für mich da, wo ich in einer christlichen Gemeinde leben darf.
Eine andere meinte: Meine Heimat ist jetzt da, wo ich eingeheiratet habe – wo ich meine Kinder bekommen und die Aufgaben einer Mutter übernommen habe.
Und einer sagte: Heimat, das ist der Ort, wo ich nicht als „Gast oder Gastarbeiter, nicht als Fremder und Reingeschmeckter, sondern als „Bürger“ anerkannt bin, wo ich nicht mehr erklären muß, woher ich komme.
Heimat, Ihr Lieben, ist ein Wort, das in uns eine tiefe Sehnsucht erweckt. Das haben alle jene erfahren, die einmal für kurze oder längere Zeit im Ausland leben mußten. Ich erinnere mich als junger Mann. Mit meinem Freund waren wir vierzehn Tage mit einer Isette unterwegs in Österreich. Das war damals für mich weit weg von Oferdingen. Als wir nach vierzehn Tagen wieder in unser Dorf Oferdingen einfuhren, da läuteten die Glocken und ich empfand ein tiefes Glücksgefühl: Wieder in der Heimat!
(3)
Und doch – egal, wie wir Heimat definieren – es ist eine „irdische und vergängliche Heimat“. – Wir, die Heimatvertriebenen, haben das schon ausgekostet, als man uns die Heimat nahm, aus dem Heimatort vertrieb und uns als „Böse Deutsche“ ansah – Und das in dem Land, wo einst unsere Vorfahren sich angesiedelt hatten, weil man sie zur Entwicklung des Landes berief und sie unter österreichischer Krone lebten.
Ich denke spontan an die Generation meiner Mutter – also die Menschen, die um 1920 geboren wurden. Was muß es für sie bedeutet haben, an Leib und Leben zu erfahren „Wir haben hier keine bleibende Stadt“? Wie manche Heimatlieder wurden nach der Vertreibung in Wehmut gesungen! – Wie viele Erzählungen umfaßten die verlorene Heimat.
Aber vor allem erfahren wir die Vergänglichkeit der irdischen Heimat, wenn wir auf die Friedhöfe gehen. Am Ende unseres Lebens müssen wir anerkennen: Ja, hier auf Erden haben wir keine „bleibende Stadt – keine bleibende Heimat“.
(4)
Nun spricht die Jahreslosung aber von einer „zukünftigen Stadt“ – von einer zukünftigen Bleibe – von einer zukünftigen Heimat:
"Wir
haben hier keine bleibende Stadt,
sondern die zukünftige
suchen wir."
Und nun hören wir dieses Wort der Jahreslosung ganz neu: das Evangelium von Jesus Christus, das uns eine andere, ewige Heimat verheißt.
Dies geschieht nach einer Besinnung über JESUS – der seine ewige Heimat verlassen hatte und in diese irdische Heimat – ins Fleisch und Blut – kam. Er wurde von seinen Volksgenossen damals „hinausgetrieben“ – „vertrieben“ aus dem schützenden Bereich der irdischen Heimat: vor der Stadt hat man ihn durch Römerhand gekreuzigt. Das tat er, so der Hebräerbrief, um uns zum ERLÖSER zu werden, d.h. um uns zurückzuholen in die bleibende Heimat des himmlischen Vaters.
Nun sollen die, die an ihn glauben, auch diesen Weg gehen: Nicht an der irdischen Heimat kleben bleiben, die doch vergänglich ist und die wir nicht für immer festhalten können, sondern sich ausstrecken nach der ewigen Heimat.
Damit wird die Heimat hier und jetzt in keinster Weise degradiert. Im Gegenteil, sie ist der Ort der Bewährung im christlichen Glauben und Leben. Unser „Durchgang durch die vergängliche Heimat hier und jetzt“ soll geprägt sein durch Liebe und Gottesfurcht. – Aber sie soll auch nicht überhöht werden, denn Gott hat für uns in Christus Jesus eine ewige Heimat eingerichtet.
Liebe
Landsleute!
Und
so ist
dieses Wort der Schrift doch auch ein Trostwort:
Das Hier und Jetzt, das Auf und Ab dieser Welt und unseres Lebens -
oft auch ein Weg des Leidens und der Trauer - für manche
Christen in der Welt sogar ein Weg der Verfolgung - das ist nicht der
Christen einzige Hoffnung. Unsere Hoffnung ist Christus - und weil er
beim Vater im Himmel einen bleibenden, ewigen Ort hat, deshalb sollen
wir auch unsere Hoffnung auf dieses Bleibende haben.
Zu
wissen, daß das Leben hier nicht festgehalten werden kann, daß
wir es zwar "leben" können, aber letztlich nicht als
einzigen Lebenssinn ansehen sollen, soll uns für dieses Leben
mutig und hoffnungsvoll machen, weil wir ein LEBENSZIEL haben: Die
Gemeinschaft mit Christus hier und jetzt und einst in der Ewigkeit.
Weil wir so befreit sind von dem Streben festzuhalten, können
wir unser Leben hingeben in den Dienst am Nächsten - denn: Wer
sein Leben verliert, der wird es gewinnen! (Jesu Worte).
Ich
denke spontan an die Geschichte
von Robinson Crusoe:
Obwohl er alles einsetzte, um sein Leben auf der einsamen Insel so
gut und komfortabel wie möglich zu gestalten, so war seine
Hoffnung doch darauf gerichtet, diesen Ort einmal verlassen zu
dürfen. - Wieviel mehr sollte uns Christen das gelingen, wo wir
doch um die Frohe Botschaft des Evangeliums wissen - um die ewige
Heimat!
Liebe Landsleute, liebe Gäste, so laßt uns nun alle bereit sein, unser Leben, mit unserer „irdischen Heimat, in Gottes gnädige Hand zu legen, ihm und dem Evangelium von Jesus Christus vertrauen und uns freuen auf die ewige Heimat.
Denken wir jeden Tag daran: Es gibt ein Leben hier und jetzt; aber es gibt auch eine ewige Heimat – In Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen
2. Lied der Gemeinde:
Nummer 75 : „Herr, wir stehen Hand in Hand, die dein Hand und Ruf verband“
(6 Strophen)
-