Martinskirche EVANGELISCHE GLAUBENSTHEMEN - KIRCHENTELLINSFURT
Pfarrer Jakob Stehle

AUF EIN WORT




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PREDIGT-ANDACHT: Joh.14,6

"Jesus Christus spricht:
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater, denn durch mich."

Liebe Gemeinde!
(1)
Dieses Wort Jesu zählt wohl zu den bekanntesten überhaupt. Einprägsam ist es und wir begreifen etwas
  • von der Bedeutung des Weges
  • von der Nachfrage nach der Wahrheit
  • von der Sehnsucht nach Leben.

Als Jesus dieses Wort sprach, da war er zusammen mit seinen Jüngern. Er hatte ihnen etwas Trauriges zu sagen: Daß nämlich sein Weg hier auf Erden zu Ende gehen wird - daß sein Weg in das Leiden und in den Tod führen wird - daß die Menschen IHN nicht erkennen, daß er ihnen die Wahrheit bringt - und daß sie in allen Himmelsrichtungen nach erfülltem Leben suchen - und ihn - den Weg zum Leben ablehnen.

Das Herz der Jünger - so berichtet uns der Evangelist Johannes - war tief betrübt über diesen Worten. Und Thomas, einer der Zwölf Jünger, wagte zu sagen:
"Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst;
wie können wir den Weg wissen!"

(2)
Man muß sich nun vor Augen halten, daß Jesus wohl in Aramäisch zu ihnen redete - der Sprache, die nahe am Hebräischen ist - der Sprache der Bibel.

Und in der Bibel - dem Gesetz, den Propheten und den Schriften - (wie die Juden ihre Heilige Schrift einteilen) - da haben die Kernworte eine ganz bestimmte Bedeutung.

Ich meine jetzt nicht dem Wortlaut nach, sondern in ihrem Gebrauch in der Bibel:

DERECH-DER WEG - der Weg hat je nach Textzusammenhang eine ganz bestimmte Bedeutung.

CHAI ist das hebräische Wort für "Leben".
Wir begreifen: LEBEN meint hier wirklich alles, was Leben ermöglicht und Leben ausmacht.

Auch das dritte Wort "EMETH"für WAHRHEIT
ist von grundlegender Bedeutung für den Menschen.


(3)
Begreifen wir jetzt den Ernst und die Tiefe der Aussage Jesu:
"Jesus Christus spricht:
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater, denn durch mich."

Also alles, was wir für unsere Existenz brauchen - IST ER!
Das ist wahrlich eine steile Aussage! Es ist der Absolutheitsanspruch Jesu (bitte nicht zu verwechseln mit dem einer Organisation!).
Entweder mit IHM - leben;
oder ohne IHN zugrundegehen!

In einem der neuen Lieder - ein Text von Christoph Zehndner - heißt es:
"Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben
Wer dir Vertrauen schenkt, für den bist du das Licht.
Du willst ihn leiten und ihm wahres Leben geben,
ewiges Leben, wie dein Wort es verspricht!" (EG 619,1)


(4)
Vor einiger Zeit - am 6. Juli - dachten wir an Johannes HUS, der vor 587 Jahren in Konstanz den Märtyrertod erlitt. Er war gerade mal 46 Jahre alt.
Jan Hus wurde um 1369 in Husinek (Böhmen) geboren und war Priester und Prediger, Professor und Rektor der Universität in Prag.

Unter dem Einfluß des englischen Reformators John WICLIF und seiner reformatorischen Lehren, wurde Hus zum Wegbereiter der Reformation in Böhmen - schon lange vor Martin Luther und den anderen Reformatoren.

Wegen seiner klaren biblischen Aussagen und seinem Festhalten am Evangelium kam er in Konflikt mit seiner römischen Kirche. 1410 wurde er mit dem Kirchenbann belegt. Trotz der Zusicherung freien Geleits wurde er dann 1415 auf dem Konstanzener Konzil verurteilt und öffentlich verbrannt.

Wie er das Wort Jesu vom WEG-WAHRHEIT-LEBEN verstanden hat, zeigt sich in einem seiner Lieder, das von Michael Weiße 1531 aus dem Lateinischen ins Deutsche übertragen wurde. Das Leitwort ist GNADE - in der Dichtersprachen als "Genaden" bezeichnet:

O lieber Herre Jesu Christ, der du unser Erlöser bist,
nimm heut an unsre Danksagung - aus Genaden.

Du hast gesehen unsre Not, da wir in Sünden waren tot,
und bist vom Himmel gestiegen - aus Genaden.

Hast in Marien Jungfrauschaft durch deines Heilgen Geistes Kraft
angenommen unsre Menschheit - aus Genaden.

Du lehrest uns die neu Geburt und zeigest an die enge Pfort
und den schmalen Steig zum Leben - aus Genaden.

Danach erlittest du den Tod in viel Verachtung, Hohn und Spott
für unsre Sünd und Missetat - aus Genaden.

Du stiegest auf zum höchsten Thron zu Gottes Rechten als sein Sohn,
uns ewiglich zu vertreten - aus Genaden.

O Christe, versammle dein Heer, regiere es mit treuer Lehr
deinem Namen zu Lob und Ehr - aus Genaden.

O Christe, versammle dein Heer, regiere es mit treuer Lehr
deinem Namen zu Lob und Ehr - aus Genaden.

Hilf durch dein Müh und Arbeit, daß es erlangt die Seligkeit,
Lob zu singen in Ewigkeit - deiner Genaden.


(5)
Liebe Gemeinde, in der Einfachheit dieses Liedes zeigt Jan Hus auf, daß wirklich alles sich an diesem JESUS entscheidet - bzw. entschieden hat:
  • Entschieden ist die Versöhnung des Menschen mit Gott - und das alles aus GNADEN! - Das ist das Zeugnis des Evangeliums.
  • Aber zu entscheiden ist - von jedem Menschen immer wieder selber - ob er den den "Weg" gehen will, der zur neuen Geburt führt, jene "enge Pforte" durchschreitet und den "schmalen Weg" wählt, der GLAUBE heißt.

    Jan HUS hat das einmal in einem kurzen Text so ausgedrückt - und das Ende seines Lebens zeigt, wie ernst er es damit gemeint hat:

    Sucht die Wahrheit,
    hört die Wahrheit,
    lernt die Wahrheit,
    liebt die Wahrheit,
    bleibt treu der Wahrheit,
    verteidigt die Wahrheit bis in den Tod.

    "Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich."

    Laßt dieses Wort mit uns gehen - hinein in diese neue Woche - hinein in unser ganzes Leben. Amen






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