| Andacht - 1.Thessalonicher 5,23 |
Oktober 2004 |
Andacht auf dem Friedhof Römerschanze - Volkstrauertag 2005
(14.30 Uhr)
1.Lied der Gemeinde: EG 529,1-4.7
"Ich bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand"
Liebe Franzfelder, liebe donauschwäbische Landsleute, liebe Gemeinde!
Herzlich willkommen hier auf dem Friedhof Römerschanze, am Denkmal der Ortschaft Franzfeld - heute, am Volkstrauertrag.
Votum:
Wir stellen unser Beisammensein hier auf dem Friedhof unter den Namen des allmächtigen Gottes: des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen
Eingangsgebet:
Lieber himmlischer Vater!
Wir haben uns heute versammelt um miteinander unserer Toten und Verstorbenen zu gedenken. Wir denken an die Gefallenen und Umgekommen durch die schrecklichen Kriege, die die Menschheit heimgesucht haben. Wir gedenken der Opfer der Vertreibung und Unterdrückung. Wir gedenken der Alten und Jungen, die ihre Leben lassen mussten. Wir gedenken der Leidgeprüften und Verlassenen und Bedrückten.
Herr, wir denken aber auch an alle unsere Lieben, von denen wir in den letzten Jahren haben Abschied nehmen müssen.
Wir denken auch an unser eigenes Sterben. Lehre uns dies zu bedenken, damit wir klug werden und bei niemand anderem Hilfe suchen als bei Dir - dem lebendigen Gott - allein, in Christus Jesus unserem Herrn.
So sei in unserer Mitte wenn wir beten und singen, wenn wir hören und nachdenken.
Amen
Das Andachtswort: (Monatsspruch für November 2005)
Der apostolische Segensgruß
"Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. "
(1. Thess 5,23 (L))
(1)
Dieser "apostolische Segensgruß" ist ein Wort aus dem 1.Thessalonicherbrief.
Wenn wir davon ausgehen, daß dieser Brief das älteste Schriftstück des Neuen Testamentes ist, dann hat das auch für uns heute eine große Bedeutung:
Wir erfahren, wie es einer Christengemeinde am Anfang christlicher Gemeinden erging, was sie bewegte und mit welchem Trost sie in die Zukunft blicken konnten.
Die Existenz der Christen ist kein "Lustwandeln in einem Rosengarten". In unseren Tagen, wo der christliche Glaube und das Leben der christlichen Gemeinde durch den Staat geschützt sind, haben wir leider manchmal den Eindruck, das mit dem Glauben wäre so eine "schöne Nebensache", ein "Privatvergnügen". Doch dem ist nicht so.
Der Glaube ist nicht unangefochten! Das merken wir besonders im Blick auf unsere Geschichte.
Der Weg unserer Ahnen aus ihrer Heimat in ein neues unbekanntes Land war begleitet von viel Not und Tod und Tränen - vom Anfang an bis zum Schluß.
Den ersten Siedlern stand der Tod vor Augen und die Not. Sie mussten viel Rückschläge in Kauf nehmen. Trotzdem haben sie weiter gearbeitet und weiter geglaubt - und erhielten das Brot.
In dieser Geschichte sind es vor allem zwei Weltkriege, die ihr Leben heimsuchte: der erste Weltkrieg 1914-1918, in den sie hineingezogen wurden - aber vor allem der zweite Weltkrieg 1939-1945, der ihn die neuerworbene Heimat raubte. Im Zusammenhang mit diesem Krieg verloren viele das Leben, sei es in den Hungerslagern oder aber im Kriegsgeschehen. Es brachte ihn den Verlust grundlegender Menschenrechte.
Ghettoisierung, Zwangs- und Hungerslager, Strafarbeit und Hunger - das alles mussten sie erleiden.
Wie mancher hat in jenen Tagen nach dem "Gott des Friedens" gerufen, nach Hilfe und Bewahrung. Manche - so scheint es - haben keine Erhörung erfahren. Andere jedoch dürfen bekennen, dass es der Gott des Friedens war, der sie bewahrt hat an Leib, Seele und Geist.
(2)
Nun erfahren wir hier in diesem Bibelwort, dass sich Christenmenschen in der Zeit um 60 n.Christus Sorge machten nicht nur um sich selber, sondern auch um das Heil der Verstorbenen. Schwestern und Brüder der Gemeinde waren gestorben - im Glauben an Christus - ohne das Christus wiedergekommen war. Wo waren sie nun? Was hatten sie zu erwarten?
Und auch wir gedenken unserer Toten: Heute hier vor dem Gedenkstein an die alte Heimat und die Umgekommenen. Was haben sie zu erwarten?
Paulus verweist auf die Auferstehung ihres Herrn: "Wenn wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die Entschlafenen durch Jesus mit ihm in das Leben führen." (1.Thess.4,13).
Was bedeutet das?
Es bedeutet, daß wir, ob wir leben oder gestorben sind, in der Hand des lebendigen Gottes geborgen sind. Geist, Seele und Leib sind in seiner Hand. Niemand und nichts, keine menschliche Macht noch aber eine übernatürliche Macht kann ihnen etwas anhaben. Gott bewahrt sie "unversehrt und untadelig" für die Ankunft des Herrn Jesus Christus!
Welch eine Hoffnung inmitten einer Zeit von Sterben und Tod, von Ungewissheiten und ständigem Abschiednehmen!
(3)
Liebe Gemeinde,
IN GOTT GEBORGEN dürfen die Glaubenden nun leben und wirken und wenn ihre Zeit gekommen ist, von dieser Erde Abschied nehmen. Zeit und Ewigkeit gehören Gott und seinem Christus.
Paulus verweist auf den "GOTT DES FRIEDENS": inmitten einer Welt voller Unfrieden und Unruhe, voller Krieg und Not, voller Angst und Schrecken, voller Schwachheit und Tod, darf der Glaubende seinen Weg gehen in der Hoffnung auf den Herrn, der von den Toten auferstanden ist.
Nur so kann der Apostel einige Verse zuvor die Gemeinde aufrufen:
Seid allezeit fröhlich,
betet ohne Unterlaß,
seid dankbar in allen Dingen.
Den Geist dämpft nicht;
prophetische Rede verachtet nicht;
prüft aber alles, und das Gute behaltet!"
Welch eine Hoffnung, welch eine Lebenskraft, welch eine Zukunft dürfen Menschen des Glaubens haben!
Wie sollten wir das vergessen? Wie sollten wir ohne diese Hoffnung leben wollen? Deshalb sprechen wir ja auch:
"Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn." (Römer 14,9)
Amen
2.Lied der Gemeinde: EG 376,1-3
"So nimm denn meine Hände und führe mich"
Fürbittegebet:
HERR, wir rufen zu Dir - der Du, unsere "Zuversicht und Stärke" bist!
Du warst die "Zuversicht und Stärke" jener ersten deutschen Pioniere, unserer Ahnen, die ausgezogen sind, eine neue Heimat zu finden.
Du warst "Zuversicht und Stärke" im Auf und Ab der Weltgeschichte bis 1944, in den Jahrhunderten der Geschichte der donauschwäbischen Ansiedlungen - Du hast unsere Väter und Mütter behütet und bewahrt und geleitet.
Du warst "Zuversicht und Stärke" bei jenen, die vertrieben wurden, Arbeitsdienst leisten mussten oder im Hungerslager zusammengepfercht lebten, bei den Geschlagenen und Zerschundenen, bei den Verzweifelten und Gequälten, bei den Männern in den Gefangenlagern und in den Kriegswirren.
Du warst Zuversicht bei den Alten und Kranken, bei den Kindern und Frauen und Männern in Rudolfsgnad und den anderen Lagern.
Du warst "Zuversicht und Stärke" bei jenen, die nachts aus dem Lager schlichen, um ihren Lieben ein Stückchen Brot oder eine Handvoll Mais zu holen. Du warst die Hilfe bei denen, die im Krieg waren und Schlimmes erleben mussten.
Du warst "Zuversicht und Stärke" bei uns Flüchtlingen auf dem Weg in die Heimat unserer Ahnen, bei der Suche nach Arbeit und Brot und beim Aufbau einer neuen Existenz.
Du warst "Zuversicht und Stärke" bei den Alten und hast sie in der Trauer um die alte Heimat getröstet, hast Kinder und Kindeskinder geschenkt und auch Wohlstand.
Du bist auch heute unsere "Zuversicht und Stärke" in der Aussöhnung der Völker - auf dem Weg zum Frieden. Auch in der Not unseres Volkes angesichts der fünf Millionen Arbeitslosen, der Fragen um die Pflege der Alten und Kranken, er Erziehung der Kinder und Jugendlichen.
Du, HERR, bist unsere Zuversicht und Stärke auch im Sturm unserer Herzen, in aller Unruhe und allen Fragen - auch wenn dunkle Schatten über uns kommen - auch die Schatten der Krankheit und des Todes.
Du, HERR, sei und bleibe unsere "Zuversicht und Stärke", bis Du uns aufnimmst, in die ewige Heimat. Amen
Vaterunser
Segenswort:
"Der Herr segne dich und behüte dich ......"

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