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Festpredigt von Pfarrer Jakob Stehle
PREDIGT anlässlich des Jahrgangstreffens der Franzfelder – 2008
(Jakob Stehle, Pfarrer i.R. – Reutlingen-Oferdingen)
Liebe Franzfelder, liebe Jahrgangsgenossen – Frauen und Männer,
verehrte Gäste – liebe Gemeinde!
(1)
Heute ist ja für die Franzfelder ein besonderer Tag – dieser „Franzfelder Tag 2008“, der unter den Zeichen eines angestrebten Weltrekords steht:
Ob Sie es wohl heute geschafft haben, die Jahrgänge 1915 – 1945 - also 30 Jahrgänge zusammenzubringen? Nun, das wird sich nachher herausstellen.
(2)
Aber nichtsdestoweniger, dieser Tag steht unter der Überschrift „Franzfelder Tag 2008“ – und so dürfen Sie alle, liebe Besucherinnen und Besucher diesen Tag als ein Geschenk ansehen:
Die Landsleute aus Franzfeld dürfen sich wieder begegnen!
Wieder dürfen Sie miteinander ins Gespräch kommen – sowohl im Blick auf die „alten Zeiten“ aber auch auf die „Jetztzeit“. – Beides gehört ja zu unserem Leben.
Und vielleicht haben Sie die Chance, den einen oder die andere aus Ihrem Jahrgang zu begrüßen – nun nicht mehr im „schwarzen“ oder „braunen“ oder „blonden Haar“ sondern wohl im „schimmernden Grau“.
(3)
Als wir beieinander saßen, Herr Michael Hild und das Ehepaar Lederer, habe ich nachgefragt, was wir denn für ein Bibelwort diesem Gottesdienst zugrunde legen könnten.
Wir besannen uns, dass ja über dem Altar in Ihrer Kirche dort im Heimatdorf Franzfeld das Wort der Engel stand: „Ehre sei Gott in der Höhe“. – Ja, da wo Menschen zum Gottesdienst zusammenkommen, da soll die Ehre Gottes im Mittelpunkt stehen.
IHM – dem allmächtigen Gott – gebührt die Ehre und der Dank:
Für sein Durchtragen bis zu diesem Tag. – Denn das soll nicht vergessen werden, dass sie alle, besonders die Jahrgänge 1915 bis 1945 wahrlich durch „die Hölle“ gegangen sind – nicht die Hölle, von der wir in der Bibel hören, als den Ort der ewigen Trennung von Gott, sondern die durch Menschen fabrizierte „Hölle auf Erden“.
Und so schneide ich auch gleich ein Erlebnis an, das diese Jahrgänge prägt: Die Vertreibung von Haus und Hof, die Sklavenarbeit – oft im eigenen Dorf und auf eigenem Grund und Boden – das Hungern und Leiden in den Vernichtungslagern – die Angst und Verwundungen in den Schützengräben – das Verstecken und die Flucht - Not und Tod allüberall!
Aber es gilt, was ich den Landsleuten vor einigen Tagen in Ulm, bei der zentralen Feier „60 Jahre nach der Schließung der Lager“ zugerufen habe: ES IST VORBEI!
Wir sind mit dem Leben davongekommen! Wir haben nach vielen Leidens- und Irrwegen wieder eine Heimat gefunden! Wir fanden wieder „Arbeit und Brot“ – und wir haben es (die meisten wohl unter uns!) wieder zu einem bescheidenen Reichtum gebracht.
Aber wenn ich nun das „wir“ so betont habe, so wollen wir doch in aller Demut festhalten: „Ehre sei Gott in der Höhe“ – ER war es, der uns gleichsam wie auf Adlers Flügeln durchgetragen hat.
(4)
ES IST ALLES GNADE!
Heute nun, liebe Franzfelder Frauen und Männer, sind sie nach all dem zusammengekommen, um in dankbarer Erinnerung an die Hilfe Gottes ein Fest zu feiern – den „Franzfelder Tag 2008“.
Dieser 4. Oktober 2008 darf für Sie zu einem GEDENKTAG werden, an den Sie sich auch in Zukunft erinnern sollen – es soll ein Tag sein, wo sie neuen Mut und neue Hoffnung mitnehmen dürfen auch im Blick auf den letzten Abschnitt in Ihrem Leben – nämlich im Alter.
Es trifft sich gut, dass morgen ERNTEDANKFEST in unseren Kirchen gefeiert wird.
Und im Losungsbüchlein steht heute das Wort aus Psalm 32,10:
WER AUF DEN HERRN HOFFT,
DEN WIRD DIE GÜTE UMFANGEN.
Welch ein mutmachendes Wort!
Welch eine freundliche Einladung, es doch mit diesem Gott zu wagen!
Welch ein Trost, dass unser Leben – unsere Arbeit und Mühe, unser Weinen und Klagen, unser Lachen und Singen – nicht umsonst ist.
GOTT VERHEISST ALLEN, DIE AUF IHN HOFFEN, SEINE GÜTE!
Friedrich von Bodelschwingh, der Begründer der diakonischen Anstalt zu Bethel, hat einmal gesagt:
„Es ist nicht wahr, dass die Ewigkeitshoffnung die Christen zu Träumern und Fantasten macht. Im Gegenteil – je entschlossener wir auf die neue Welt warten, desto praktischer, nüchterner, schlichter wird sich unser Leben hier gestalten.
Sowohl an die Arbeit wie an das Leiden, das uns aufgetragen ist – auch das ist heilige und nötige Arbeit - , setzen wir unsere gesammelte Energie.“
So können wir sagen: Träumer und Fantasten sind jene, die ihre einzige Hoffnung im Hier und Jetzt sehen; jene, die allein auf ihre eigene Kraft und ihren eigenen Witz vertrauen; jene, die glauben, sie könnten ihr Leben selber erhalten und durchbringen.
Nein, solche Träumer und Fantasten wollen wir nicht sein!
Wir wollen es viel lieber mit dem halten, was von unseren Ahnen gesagt ist:
„Arbeit, Fleiß und Glaube – erhoben uns vom Staube!“
(5)
Deshalb, liebe Franzfelder, rede ich heute vom GLAUBEN.
Verwechseln Sie aber bitte dieses Wort „Glaube“ nicht mit „Nichtwissen“ (wie manche Spötter es uns Christen so gerne sagen!).
Glaube meint das „Vertrauen darauf, dass ich mein Leben von Gott empfangen habe und dass er der Vater und Herr meines Lebens ist und dass er mich führt und leitet und mich mit seiner Güte umfängt.
Und wenn Sie mich fragen, woher ich denn den Mut zu diesem „Gottvertrauen“ nehme, dann antworte ich mit einem Namen: JESUS CHRISTUS!
In IHM hat Gott uns Menschen gezeigt, was Leben ist: Nicht frei von Mühe und Arbeit, nicht frei von Haß und Gewalt, nicht frei von Weinen und Klagen, nicht frei von Schuld und Versagen.
Aber über all dem steht GOTTES GÜTE.
So hat er uns durch Christus mit sich selber versöhnt. Wir dürfen – so wie wir sind – vertrauen, dass wir von Gott geliebt werden.
Wir dürfen immer wieder neu zu IHM kommen und an seinem Tisch Platz nehmen.
Wir dürfen immer wieder rufen VATER UNSER IM HIMMEL!
(6)
Liebe donauschwäbische Landsleute!
Nun sind Sie beieinander – Jahrgang um Jahrgang – und dürfen Rückschau halten, wie Ihr Leben trotz allen Widerständen gelungen ist, wie Sie durch Scheitern doch zum Ziel gekommen sind.
Sollte da irgend etwas anderes Platz haben als jener alte Spruch über dem Altar Ihrer Kirche – jener Engelsgruß - jene frohe Botschaft: EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE UND DEN MENSCHEN EIN WOHLGEFALLEN.
Nehmen Sie dieses Wort mit in Ihr weiteres Leben und denken Sie daran:
DA WO GOTT GEEHRT WIRD,
DA WERDEN AUCH SIE GEEHRT WERDEN.
DA WO GOTT GEEHRT WIRD,
DA UMFÄNGT SEINE GÜTE IHR LEBEN.
„Wir geh’n mit diesem WORTE fort – Herr bleib bei uns mit deinem Wort,
mit deiner Gnad und Segen auf allen unsern Wegen".
Amen
Stille Zeit des Totengedenkens
(Selig sind ... Vergeßt nur nicht die Toten)
Fürbitten (Sofie Lederer / Resi Henke / Herr ... )
(1)
Lange ist es her, lieber Gott, dass wir in unserer Kirche das Wort lasen „Ehre sei Gott in der Höhe!“ – lange ist es her!
Wir denken an unsere Gottesdienste dort in Franzfeld, an unsere schöne Kirche und ihrem Turm.
Jetzt feiern wir Gottesdienste in der neuen Heimat – und wir danken Dir, lieber Gott, für diesen schönen Tag.
(2)
Wir denken an unsere Landsleute zuhause, an die Kranken und Einsamen, an alle, die jetzt nicht mit uns feiern können.
Und unsere Gedanken gehen auch zu allen unseren Lieben, die nicht mehr unter uns weilen.
HERR, ERBARME DICH!
(3)
Wir sind alt geworden. Wir sehen die Welt heute mit anderen Augen.
Wir haben begriffen, dass es Dinge gibt, die wir nicht für Geld kaufen können:
Friede und Freundschaft, Wohlsein und Gesundheit.
Und wir begreifen, dass wir auch nicht halten können: nicht unsere Jugendzeit – nicht unseren Besitz – nicht die von uns geliebten Menschen.
HERR, ERBARME DICH!
(4)
Wir feiern morgen das Erntedankfest in unseren Kirchen. Und wir erinnern uns an die Kornblumen auf den Feldern von Franzfeld, an die Pipatschen, die zwischen den Ähren so leuchtend erblühten – und wir erinnern uns an die Sonne, die abends unterging und über das weite Land erglühte.
HERR, WIR DANKEN DIR.
(5)
Zum „Jahrgangstreffen“ haben wir eingeladen. Es sollen alle kommen, die aus den Jahrgängen 1915 bis 1945 noch am Leben sind. Auch Herr, nach über 60 Jahren gibt es noch viel zu erzählen: die schönen und die traurigen Erlebnisse. Und es zieht Wehmut durch unser Herz. Wir erkennen, dass alles seine Zeit hat – und vieles ist vorbei – aber nicht nur das Schöne, nein, Herr, auch das furchtbar Traurige.
HERR, WIR DANKEN DIR:
(6)
Wir haben Dein Wort gehört – dieses „mutmachende Wort der Verheißung“ dass uns in Christus Jesus Deine Güte begleitet.
Wir haben es uns sagen lassen, dass unser Leben ein Wandern ist unter Deinen Fittichen.
Wir sind ja Dein und in Christus Jesus sind wir „Deine Herde unter einem Hirten“ – Deinem lieben Sohn, Jesus Christus.
Und so denken wir heute auch an alle donauschwäbischen Landsleute, wo immer sie sind – und für sie und für alle Menschen beten wir zu Dir das Gebet, das Christus uns gelehrt hat:
Vaterunser
So segne und behüte euch der allmächtige und barmherzige Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen
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